Die Größenverhältnisse bei den Zöllen
Das amerikanische BIP beträgt ungefähr 25 Billionen €. Die Importe machen etwa 2,9 Billionen € aus. Das sind knapp 12 % des BIP.
Werden diese importierten Waren im Schnitt jetzt 10 % teuerer (es gab auch bei Biden schon Zölle), so ergäbe sich eine Inflation von 1,2 %, aber nur, soweit als die Importwaren nicht durch amerikanische Waren verdrängt werden. Außerdem müssen wir davon ausgehen, daß die Importeuere ihre Preise etwas senken werden, um konkurrenzfähig zu bleiben.
Weiterhin müssen wir damit rechnen, daß nur die Hälfte der Importe – z.B. Autos – für den Endverbraucher bestimmt sind, so daß nicht die ganzen Steigerungen subito beim Endkunden ankommen. Einige Länder importieren immer noch zollarm.
Es dürfte auch in geringem Maße zur Verdrängung von Hochzollimporten aus China durch z.B. englische, australische, brasilianische Waren kommen, die geringer verzollt werden (10 %), als die chinesischen (34 %).
Ein weiterer Aspekt ist die Auswirkung der Zölle auf das Budgetdefizit von rund 2 Billionen $ p.a. Optimistisch gerechnet bekommt man ein Fünftel des Defizits damit weg. Auch die Entrümpelung von USAID bringt nur Erleichterung im einstelligen Prozentbereich. Es wird noch viel Arbeit machen, das Defizit wirksam zu reduzieren.
Wir können anhand dieser Überschläge davon ausgehen, daß die Hoffnungen der Trump-Feinde piu o meno enttäuscht werden. Die deutschen Sondervermögen dürften eine ähnliche Wirkung auf die Preiskulisse entfalten, wie die Trumpschen Zölle. Man sollte den Splitter im amerikanischen Auge nicht suchen, solang ein Balken im eigenen Aug rumort.
Grüße an den Inlandsgeheimdienst. „Ich müsste keine Schifffahrt kennen: Krieg, Handel und Piraterie, dreieinig sind sie, nicht zu trennen.“ (Geh, Rath v. Goethe)
Man kann es sich auch schoen rechnen. Beim BIP wird das schon lange getan, z.B. mit den Dienstleistungen. In den USA speziell einer der Riesenbrocken, versteckte Staatsfinanzierung noch gar nicht dabei (die 2 Billionen Coronahilfen unter Biden wurden z.B. auch zum BIP gezaehlt):
https://tradingeconomics.com/united-states/gdp-from-services
Nun sind nicht alle Friseure, aber es ist natuerlich etwas daran dran, dass wir uns nicht alle nur die Haare schneiden lassen koennen.
Andere Sicht auf die Dinge:
https://egon-w-kreutzer.de/der-grosse-zoll-zampano
Die Zölle werden zu einem weiteren Durcheinander in den restdeutschen Amtsstuben führen, wovon man sich eine ungefähre Vorstellung anhand der 1980er-Zollfahndungsserie „Schwarz Rot Gold“ machen kann.
Ich bin gespannt (für die Älteren), inwieweit sich Zoll und Antizoll auch auf Medizinprodukte und Medikamente auswirken werden, da ja hier wegen Giftangst, Umwelt-, Kröten- und Flederfischwürde nix mehr hergestellt wird. Von Strom und Gas zu schweigen.
Auch Kardio-Untersuchungs-Software zB kommt gern aus den USA, da Restdeutsche und Digitales sich bekanntlich nicht gut kombinieren lassen.
Die neuen US-Zölle als Abschöpfung der „Outsourcing-Dividende“ seit den End-1980ern – nicht die Frankfurter Schule oder die „Soixante-Huitards“ haben die Industrie des sog. Rust Belts zerlegt, sondern MBA-Absolventen durch Greed (Gier). Und nun sollen sie durch Fear (Furcht) vor der wütenden Kundschaft zur Rückholung der Produktion genötigt werden.
Wenn ein Produkt aus dem Ausland ebenso teuer ist wie eines aus dem Inland, denkt Trump, dann werden sich die Arbeiter mit ihrer Fahne vor dem Haus das aus den US kaufen.
NB: Was die gierigen Manager angeht, da gibt es gute Videos von präsidentiellen Krisengipfeln und Senatsanhörungen nach der Lehman-Pleite.
Auf eingeführte PKW aus den USA fallen neben 10% Zoll auch 19% Einfuhrumsatzsteuer an. USA hatten bisher nur den Zoll in Höhe von 2,5%. Keine Einfuhrumsatzsteuer. Wie kann es sein, dass das nicht thematisiert wird?
Ich hatte das vor ein paar Tagen dargelegt.